Martin Bihounek

Mountainbiker auf Abwegen

An zwei Wochenenden im April bin ich ein wenig vom Weg des Biker abgekommen. Teilweise im wahrsten Sinn des Wortes. Ich hab an zwei Veranstaltungen der Mountainbike-Orientierer teilgenommen

Das erste fand in Slovenj Gradec in Slowenien statt. Zuvor bin ich nur ein paar Lauf-OLs gelaufen, habe also nicht wirklich Ahnung vom Orientieren. Dazu kommt noch, dass das Areal in Slowenien ein eher schwieriges ist, wo die Wege im Wald sich sehr oft mehrfach gabeln und man sehr genau schauen muss, wo man hinfährt.

Veszprem by Silvia Petritsch

Da ich mir zuvor eine Magen-Grippe eingefangen habe, ließ ich den ersten Bewerb am Samstag aus, da ich mich nicht besonders stark fühlte. Am Sonntag stand dafür Langdistanz mit Postennetz am Plan. Das heißt man hat seine Posten, die Reihenfolge wie diese anzufahren sind kann man sich allerdings selber aussuchen. Eine nicht gerade leichte Aufgabe für den Anfang. Nach dem Start-Prozedere zeichnete ich mir auf der Karte den Weg ein und machte mich auf den Weg. Eher rollend für meine Verhältnisse, da ich wusste, dass die Geschwindigkeit nebensächlich ist und man sich auf die Karte konzentrieren sollte. Den ersten Posten fand ich nicht gleich, aber es wurde besser. Nach und nach sammelte ich die Posten ein. Da mir Silvi gesagt hat (und bei einem normalen Bewerb ist es ja auch so) dass der Posten mit der Nr. 100 der Letzte zu stempelnde sein muss, musste ich zum Schluss noch einmal quer durch die Karte und zurück zum Ziel. Dort kam ich gerade noch an, bevor alle nach Hause fuhren. Im Wald hatte ich zwar einige unschöne Worte fallen lassen – vor allem über das grausige Wetter, aber teilweise waren die Wege nett zu fahren und ich kam auf ein paar Trainingskilometer.

Das zweite Wochenende war in Veszprem am Plattensee in Ungarn. Das Wetter war dort schon mehr nach meinem Geschmack. Im Gegensatz zu Slowenien kein Regen, sondern viel Sonne und Wärme. Diesmal fuhr ich zwei Bewerbe. Am Samstag war die Mitteldistanz, wo ich mich schon besser schlug. Den ersten Posten habe ich wieder versemmelt, aber dann gings ganz gut und es machte mir richtig Spass. Das Gebiet in Ungarn hat einige nette Wege zu bieten und ich holzte auch kräftig durch das Unterholz und über die Wege.

Am Sonntag dann die Langdistanz mit Massenstart. Man schnappt sich seine Karte und rennt in einer Art LeMans-Start zu seinem Bike. Irgendwie lies ich mich hinreißen der Meute nachzusetzen und fuhr prompt in die Irre. Ich suchte den ersten Posten über 40 Minuten, wobei ich teilweise absolut keine Ahnung hatte, wo ich war. Die nächsten beiden fand ich dann recht schnell, schoss dann allerdings wieder an den richtigen Abzweigungen zum vierten Posten vorbei. Also verlor ich da auch wieder Zeit. Da bei diesem Rennen auch noch zwei Kartenwechsel zu machen waren und mein Kopf irgendwie nicht wollte, beendete ich das Rennen bei der ersten Zieldurchfahrt.

Fazit des Ganzen: Mountainbike Orienteering ist ein wirklich lustiger Sport. Es erfordert Hirn und Muskeln. Wenn du schnell die Karte erfasst und dir die Wege merkst, kannst auch auf dem Bike Gas geben. Wenn ned, dann schießt man an jeder Abzweigung vorbei – so wie ich viel zu oft. Einzig vom ästhetischen Standpunkt ist die Sportart abzulehnen: Dieser Kartenhalter ist wirklich grausam für die Augen. Ein Bike so zu verschandeln gehört sich einfach nicht. Nichts desto trotz werde ich mich auch in Zukunft wieder mit Kartenhalter und Kompass bewaffnet unter die suchende Fraktion der Biker mischen.

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